Leitungswasser gehört in Deutschland zu den am besten überwachten Lebensmitteln. Genau deshalb ist eine Trinkwasserwarnung für viele Menschen zunächst ungewohnt: Plötzlich soll das Wasser nicht mehr getrunken werden, es wird eine Abkochempfehlung ausgesprochen oder nach einem Rohrbruch soll das Wasser zunächst nicht verwendet werden.
Was dann zu tun ist, hängt entscheidend von der Art der Verunreinigung ab. Denn Wasser kann durch Bakterien oder Viren belastet sein, aber auch durch chemische Stoffe, Schwermetalle oder andere Substanzen. Und nicht jede Belastung lässt sich mit demselben Verfahren beseitigen.
Warum man verunreinigtes Wasser nicht unbedingt erkennt
Eine der gefährlichsten Fehlannahmen lautet: Wenn Wasser klar aussieht und normal riecht, kann man es auch trinken. Das stimmt nicht.
Viele mikrobiologische Belastungen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Auch zahlreiche gelöste chemische Stoffe verändern weder Farbe noch Geschmack des Wassers in einer Weise, die zuverlässig auf eine Belastung schließen lässt.
Das Gegenteil gilt ebenfalls: Eine ungewöhnliche Färbung oder ein fremder Geruch bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte gesundheitlich relevante Belastung vorliegt. Gerade nach Arbeiten am Leitungsnetz können beispielsweise Partikel oder Rost ins Wasser gelangen, auch die Verwendung von Aktivkohlefiltern kann nach dem Filterwechsel zu einer trüben bis grauen Färbung führen.
Die Qualität des öffentlichen Trinkwassers ist in Deutschland grundsätzlich sehr hoch. Nach den vom Umweltbundesamt veröffentlichten Daten wurden bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Parametern die Anforderungen in mehr als 99 Prozent der Messungen eingehalten.
Was bedeutet eine Abkochempfehlung?
Eine Abkochempfehlung wird ausgesprochen, wenn insbesondere ein mikrobiologisches Risiko besteht. Durch ausreichendes Erhitzen können viele Krankheitserreger inaktiviert werden. Hierbei gelten 10 Minuten als zuverlässige Dauer für eine umfassende Keimabtötung.
Damit ist aber auch die Grenze des Verfahrens erreicht. Abkochen entfernt keine chemischen Schadstoffe. Nitrat, Schwermetalle oder andere gelöste Stoffe verschwinden dadurch nicht aus dem Wasser.
Das ist für die private Wasseraufbereitung ein entscheidender Unterschied: Ein Verfahren, das gegen Bakterien funktioniert, muss nicht gegen chemische Belastungen funktionieren. Andersherum funktioniert das schon eher. Eine Behandlung gegen chemische Belastungen erfolgt wie bei unserem Filtersystem auch per Umkehrosmose.
Was kann eine Wasseraufbereitung leisten?
Partikel zurückhalten
Mechanische Filter können Sand, Rost, Schlamm und andere Schwebstoffe reduzieren und nachfolgende Aufbereitungsstufen schützen.
Gelöste Stoffe reduzieren
Je nach Verfahren können bestimmte gelöste Stoffe reduziert werden. Dafür muss die konkrete Filtertechnik zur jeweiligen Belastung passen.
Mikrobiologisch absichern
UV-C kann Mikroorganismen im ausreichend klaren Wasser inaktivieren. Entscheidend sind unter anderem Dosis, Durchfluss und Anlagenzustand.
Warum ein Filter nicht automatisch jedes Problem löst
Bei einem unbekannten Schadensereignis ist die Versuchung groß, einfach irgendeinen Wasserfilter einzusetzen. Genau das ist problematisch, vor allem weil fehlerhafte Konstruktionen und unzureichende Filterung manchmal erst viel später erkannt wird, meist dann, wenn man schon einige Liter gefiltert und getrrunken hat.
Eine mechanische Filterstufe kann Partikel entfernen, aber keine gelösten Stoffe. Eine UV-Anlage kann Mikroorganismen inaktivieren, entfernt aber keine chemischen Substanzen. Eine Umkehrosmose kann zahlreiche gelöste Stoffe zurückhalten, ist aber wiederum ein technisch komplexeres Verfahren und muss korrekt betrieben werden.
Die entscheidende Frage lautet daher immer: Was befindet sich im Wasser und welche Aufbereitung ist dafür nachweislich geeignet?
Was passiert nach einem Rohrbruch?
Nach Arbeiten am Leitungsnetz kann Wasser vorübergehend trüb oder verfärbt sein. Häufig handelt es sich um aufgewirbelte Ablagerungen innerhalb der Leitungen. In solchen Situationen sollte man zunächst die Hinweise des Wasserversorgers beachten.
Bei einer offiziellen Warnung ist die Ursache wichtiger als das Aussehen des Wassers. Eine Abkochempfehlung ist beispielsweise eine andere Situation als eine Warnung vor einer chemischen Belastung.
Und wenn gleichzeitig der Strom ausfällt?
Besonders interessant wird das Thema bei einem größeren Versorgungsausfall. Dann können nicht nur Informationen und Kommunikation eingeschränkt sein. Auch Pumpen und elektrische Wasseraufbereitungssysteme können betroffen sein.
Ein eigener Wasservorrat ist deshalb eine wichtige erste Ebene der Vorsorge. Wie viel Wasser für einen Haushalt sinnvoll ist, hängt vom Zeitraum und vom tatsächlichen Bedarf ab. Dazu passt der Beitrag „15 Liter pro Tag: Was die staatliche Wassersicherstellung für Ihren Haushalt bedeutet“.
Für länger dauernde Situationen kann zusätzlich eine alternative Wasserquelle interessant werden. Welche Möglichkeiten Brunnen, Bäche oder Regenwasser bieten, haben wir im Beitrag „Brunnen, Bach oder Regentonne: Welche Wasserquellen sind wirklich nutzbar?“ betrachtet.
Wasserfilter als Ergänzung, nicht als Freifahrtschein
Eine gute Wasseraufbereitung kann die eigene Unabhängigkeit deutlich erhöhen. Sie sollte aber nicht mit einem universellen „Alles-entferner“ verwechselt werden.
Wer eine Anlage für die private Vorsorge plant, sollte deshalb zunächst die mögliche Wasserquelle bestimmen. Anschließend lässt sich festlegen, welche Vorfiltration, Aufbereitung und Desinfektion tatsächlich erforderlich ist.
Wasser autark aufbereiten
Ein Vorrat hilft bei einem kurzfristigen Ausfall. Eine geeignete Wasserquelle mit passender Aufbereitung kann darüber hinaus langfristig unabhängiger machen. Entscheidend ist immer die Kombination aus Quelle, Technik und gewünschter Wasserqualität.
